Pflegegrade

Was versteht man unter Pflegegraden?

Durch einen Unfall oder eine Erkrankung kann es dazu kommen, dass jemand aus der Familie, dem Freundes- oder Bekanntenkreis oder Sie selbst pflegebedürftig werden. Schritt für Schritt zeigen wir Ihnen auf den folgenden Seiten, was bei Pflegebedürftigkeit zu unternehmen ist und wie Sie sich so schnell wie möglich und ohne unnötige Schwierigkeiten zurecht finden.

§ Definition: Pflegebedürftigkeit

Pflegebedürftig sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 SGB XI festgelegten Schwere bestehen. Definition im Elften Buch Sozialgesetzbuch-Soziale Pflegeversicherung (1)

Der „richtige Zeitpunkt“ – Pflegebedarf erkennen

Ist ein Mensch im gesetzlichen Sinn pflegebedürftig (Siehe Definition: „Pflegebedürftigkeit“), hat er Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. In welchem Umfang der Versicherte eine finanzielle Unterstützung erhält, hängt von der Schwere der Pflegebedürftigkeit ab. Die Unterstützung orientiert sich nicht an dem Krankheitsbild, sondern am individuellen Pflegebedarf oder dem Umfang der notwendigen Betreuung. Der Pflegebedarf wird an der konkret notwendigen Hilfe für die Pflege festgemacht. Das Begutachtungsverfahren für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit misst, wie selbständig die betroffene Person den Lebensalltag bewältigen kann. Die Selbständigkeit wird in sechs Themenbereichen (Module) erfasst; in jedem Modul gibt es unterschiedlich viele Fragen, die beantwortet werden müssen. Zu jeder Frage gibt es mehrere abgestufte Antwortmöglichkeiten, die sich z.B. darauf beziehen, wie viel der Betroffene noch alleine kann oder wie häufig bestimmte Ereignisse vorkommen. Die Gesamtzahl aller Fragen beträgt 64.

Module

1. Mobilität
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung
5. Krankheits- oder therapiebedingte Anforderungen und Belastungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

In welchen Pflegegrad ein Mensch eingestuft wird, entscheidet ein Gutachten. Die gesetzliche Krankenversicherung lässt sich hierbei von dem medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) beraten. Bei Privatversicherten ist der medizinische Dienst „Medicproof“ dafür zuständig. Es folgt in der Regel ein Hausbesuch.

Die Gutachter dieser Dienste stellen fest, wie viel Pflege notwendig ist und ob der Antragsteller anspruchsberechtigt ist und finanzielle Unterstützung erhält.

Wenn also eine Pflegebedürftigkeit bei Ihnen oder einem Angehörigen gegeben ist, ist der erste wichtige Schritt ein
Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung.

(1) Bundesamt, Statistisches. Pflegestatistik 2011 – Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung Deutschlandergebnisse.
Wiesbaden : Statistisches Bundesamt, 2013.