Entzündliche Darmerkrankungen

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Beschreibung

Morbus Crohn gehört zur Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und ist durch ständige Entzündungen des gesamten Magen-Darm-Traktes gekennzeichnet. Diese können vom Mund bis zum After auftreten, sind aber am häufigsten im unteren Dünndarm um am Übergang zum Dickdarm zu beobachten. Namensgebend für die Erkrankung ist der US-Darmspezialist Burrill Bernard Crohn.

Anders als bei der Colitis ulcerosa sind bei Morbus Crohn alle Schichten der Darmwand entzündet. Als Folge verdickt sich diese mit fortschreitendem Krankheitsverlauf. Auffallend ist das sog. Segmentale Auftreten der Entzündungsherde. Das bedeutet, dass neben kranken Anteilen gesunde Areale vorhanden sind. Durch die ständigen Entzündungsprozesse kommt es zu Einengungen (Stenosen) und Fisteln des Darms.

Fisteln sind neu entstandene Entzündungsgänge, z.B. zwischen verschiedenen Darmabschnitten. Gehäuft kommen Fisteln im Bereich des Afters vor. Morbus Crohn trifft vor allem junge Menschen zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr, kann aber auch in späteren Jahren auftreten.

Ursachen

Die genaue Ursache ist noch unbekannt. Forscher konnten jedoch einige Faktoren identifizieren, die die Krankheit begünstigen. Das in manchen Familien gehäufte Auftreten spricht für eine genetische Veranlagung. Ist ein naher Verwandter von Ihnen an Morbus Crohn erkrankt, ist Ihr eigenes Risiko um etwas das Zehnfache erhöht.

Forscher konnten bei Morbus-Crohn-Patienten verschiedene fehlerhafte Gene identifizieren. Am bedeutendsten scheint das sog. NOD2/CARD 15-Gen zu sein. Es ist für bestimmte Bestandteile von Immunzellen im Darm verantwortlich. Vermutlich können die Zellen die Abwehr von Krankheitserregern nicht mehr vollständig gewährleisten und es kommt zu einer Überreaktion des Immunsystems. Vermutlich löst dieser Mechanismus Morbus Crohn aus.

Einige Studien deuten auch auf eine Beteiligung von Umweltfaktoren hin. So kommt Morbus Crohn in Industrieländern wesentlich häufiger vor als in ärmeren Staaten. Während die Psyche wohl keinen Einfluss auf die Entstehung hat, gilt Rauchen als krankheitsfördernd. Sehr wohl aber leidet die Seele unter den Folgen von Morbus Crohn, was dann wiederum den Krankheitsverlauf intensivieren kann. Viele Betroffene leiden an Depressionen. Keinen Einfluss hat nach heutigem Wissenstand eine ungesunde Ernährung.

Symptome

Die Symptome variieren von Patient zu Patient. Zudem sind sie abhängig davon, welcher Abschnitt des Verdauungstrakts betroffen ist. Die Beschwerden bei Morbus Crohn ähneln denen der Colitis ulcerosa. Mitunter verspürt der Betroffene zu Beginn der Erkrankung Symptome, die gar nicht direkt dem Verdauungssystem zuzuordnen sind. Mediziner nennen dies extraintestinale Manifestationen. Bei Morbus Crohn sind das nicht selten Gelenkschmerzen. Typische Symptome von Morbus Crohn sind:

  • Durchfall (über viele Wochen anhaltend)
  • Krampfartige Schmerzen im rechen Unterbauch
  • Ungewollter Gewichtsverlust
  • Leichtes Fieber

Diagnose

Für eine genaue Diagnose sind einige Untersuchungen notwendig. Am Beginn steht eine ausführliche Patientenbefragung und Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Auch Erkrankungen innerhalb der Familie sind von Interesse. Zur umfassenden Diagnostik von Morbus Crohn gehören folgende Untersuchungen:

  • Der Unterbauch wird auf Druckschmerzhaftigkeit abgetastet.
  • Die Mundhöhle und der After werden auf Krankheitszeichen untersucht.
  • Darmspiegelung: Mit einem Endoskop betrachtet der Arzt die Darmschleimhaut. Er kann zudem Proben entnehmen, Fisteln nachweisen und Verengungen direkt behandeln.
  • Magenspieglung: Durch Ihren Mund und die Speisehöhle wird ein dünner Schlauch mit Kamera in den Magen geführt. Auch der Zwölffingerdarm kann so begutachtet werden.
  • Ultraschall: Diese Untersuchung öfters während der Therapie wiederholt.
  • Bildgebende Verfahren: Durch eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können Darmveränderungen sichtbar gemacht werden, die bei der
  • endoskopischen Untersuchung verborgen geblieben sind.
  • Blutuntersuchung: Bei einer entzündlichen Erkrankung wie Morbus Crohn sind typischerweise bestimmte Blutwerte erhöht, allen voran das C-reaktive Protein (CRP).

Behandlung & Therapie

Die Therapie ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Bei leichten oder mittelschweren Fällen genügt meist eine ambulante Behandlung. Schwere Fälle müssen zumindest zeitweise stationär therapiert werden. Vor allem die Schwere der Schübe entscheidet über die Akutbehandlung:

Geringe Aktivität:

  • Vermeidung von schlecht vertragenen Lebensmitteln
  • Symptomatische Therapie (Wirkstoffe gegen Krämpfe, Durchfall und Schmerzen)
  • Lokal entzündungshemmende Behandlung mit den Wirkstoffen Budesonid (eine Art Kortison) und/oder Sulfasalazin

Mäßige Aktivität:

  • Anwendung systemisch (im gesamten Körper) wirkender Kortisonpräparate
  • Spezielle Ernährungstherapie
  • Antibiotika gegen häufige bakterielle Begleitinfektionen

Hohe Aktivität:

  • Kortison und bei Bedarf weitere Immunsuppressiva (Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken), zum Beispiel Azathioprin
  • Antikörper gegen Entzündungsfaktoren (TNF-Antikörper)

Weil der genaue Entstehungsmechanismus von Morbus Crohn noch nicht ausreichend entschlüsselt ist, beschränkt sich die medikamentöse Behandlung auf die Linderung von Entzündung und Beschwerden. Diese hat außerdem das Ziel, die Ruhepausen zwischen den Schüben möglichst lange zu erhalten (remissionserhaltende Therapie).

Die individuelle Verfassung bestimmt darüber, ob eine Therapie während der Remission notwendig ist. Manchmal kann dann sogar vollständig auf die Behandlung verzichtet werden. Neben Medikamenten kann bei akuten Schüben auch eine Operation notwendig werden. Verengte stellen können dann mit einem Ballon aufgedehnt, Abszesse entfernt und Fisteln verschlossen werden.

Zwar gibt es keine allgemeingültigen Richtlienen für die Ernährung bei Morbus Crohn. Dennoch sollten Patienten auf einiges achten. Auch bei starken Schmerzen muss auf eine ausreichende Nahrungsversorgung geachtet werden, um nicht in einen Mangelzustand zu gelangen. Vor allem ausreichend Eiweiße, Vitamine und Ballaststoffe sind wichtig. Während einem akuten Schub dagegen sollte eine ballaststofffreie Kost („Astronautennahrung“) konsumiert werden. Bei sehr schweren Krankheitsschüben empfiehlt sich zur Entlastung des Darms die Ernährung über den Tropf.

Morbus Crohn bestimmt nicht selten mehr oder weniger das gesamte Leben des Patienten. Wenn sie daran leiden, ist in jedem Fall eine darauf spezialisierte Psychotherapie wichtig. Sie erlernen dabei den Umgang mit der Erkrankung und wie sie diese optimal in Ihr Leben integrieren können. Sie bekommen zudem Verhaltensweisen vermittelt, wie sie die Beeinträchtigungen und Beschwerden möglichst gering halten.

Vorbeugung & Prognose

Vorbeugung

Eine gezielte Vorbeugung ist nicht möglich, da über die Entstehung von Morbus Crohn zu wenig bekannt ist. Einige Maßnahmen können das Risiko trotzdem senken:

  • Ausgewogene Ernährung
  • Regelmäßiger Sport
  • Genug trinken
  • Wenig Alkohol
  • Verzicht auf Zigaretten
  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (ab 50 regelmäßige Darmspiegelungen)
  • Übergewicht normalisieren
  • Ausreichend Schlaf
  • Übermäßigen Stress vermeiden
  • Regelmäßige Entspannung (z. B. Autogenes Training)

Prognose

Zwar ist Morbus Crohn unheilbar, eine konsequente Therapie ermöglicht Ihnen aber ein weitestgehend normales Leben. Krankheitsschübe können idealerweise Jahre auf sich warten lassen und in der Zwischenzeit spüren sie nichts von Ihrer Erkrankung. Beobachten sie sich nach der Diagnose aufmerksam und gehen sie bei einer Verschlechterung zum Arzt. Häufige Krankheitsschübe lassen sich so frühzeitig vermeiden.

Beherzigen sie – egal ob vorbeugend oder wenn sie erkrankt sind – die genannten Verhaltensweisen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, da Morbus-Crohn-Patienten ein etwas erhöhtes Darmkrebsrisiko aufweisen. Bei optimaler Behandlung ist die Lebenserwartung aber nicht reduziert.