Mukoviszidose

Beschreibung

Bei der Mukoviszidose (Zystische Fibrose) ist die Bildung verschiedener Körperflüssigkeiten durch einen genetischen Defekt gestört. Es handelt sich um eine erbliche Stoffwechselerkrankung, bei der die Sekrete von Lunge, Bauchspeicheldrüse und anderer Organe zähflüssiger als beim Gesunden sind. Dieser zähe Schleim verstopft zahlreiche Ausführungsgänge innerer Organe, u.a. aber auch die kleinen Bronchien der Lunge. Es kommt zu massiven Störungen, vor allem von Atmung und Verdauung.

Weil der Mukoviszidose ein Gendefekt zugrunde liegt, ist sie nicht heilbar. Sowohl die Schwere der Symptome als auch der Zeitpunkt der Diagnose können stark variieren. Häufig macht sich die Erkrankung bei Kindern sofort von Geburt an massiv bemerkbar. Manchmal wird sie aber auch erst später diagnostiziert.

Ohne Behandlung verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Patienten kontinuierlich. Eine frühzeitige Therapie kann das Fortschreiten entscheidend verlangsamen, wenn auch nicht vollständig stoppen. Die Behandlungsmethoden wurden in den Jahren deutlich verbessert. Trotzdem ist die Lebenserwartung gegenüber der von Gesunden verkürzt.

Die Mukoviszidose gehört zu den häufigsten angeborenen Stoffwechselerkrankungen in Europa und Nordamerika. In Deutschland sind rund 8.000 Menschen betroffen. Das Kind erkrankt nur, wenn beide Elternteile ein erkranktes Gen weitergeben. Wird nur ein defektes Gen vererbt, zeigen sich keinerlei Beschwerden. Etwa jeder 25. Mensch trägt die Anlage für Mukoviszidose in sich, ohne davon zu wissen.

Ursachen

Der Mukoviszidose liegt ein Fehler im Erbgut zugrunde. Die menschliche Erbinformation (DNA) verteilt sich auf 46 Chromosomen. Die einzelnen Abschnitte auf einen Chromosom bezeichnen Wissenschaftler als Gene. Bei der Mukoviszidose ist das sog. CFTR-Gen (Cystic fibrosis transmembran conductance regulator) auf Chromosom 7 beschädigt. Nur wenn ein Mensch beide defekten Gene vererbt bekommt, erkrankt er. Biologen nennen diese Vererbung autosomal-rezessiv.

Gene steuern den korrekten Aufbau von Eiweißen im Organismus. Bei der Mukoviszidose wird ein Protein fehlerhaft zusammengebaut, wodurch sich ein nicht funktionsfähiger Chlorid-Kanal bildet. Normalerweise werden durch ihn Chlorid-Teilchen (Salze) transportiert, welche die Körpersekrete flüssig halten. Genau dies funktioniert nicht, wodurch die Flüssigkeiten viel zu zählflüssig sind. Bedingt durch diese Störung ist auch der Schweiß von Betroffenen viel salziger als bei Gesunden. Bei Mukoviszidose produzieren die Drüsenzellen sehr zähen Schleim – mit schwerwiegenden Konsequenzen:

  • In den Atemwegen sitzt fester Schleim und behindert die Atmung.
  • Bauchspeicheldrüse: Das zähflüssige Sekret verstopft die Ausführungsgänge, durch die Verdauungsenzyme, sowie Insulin und Glukagon ausgeschüttet wird.
  • Darm: Die im Darm befindlichen Schleimdrüsen produzieren ebenfalls zähen Schleim und verursachen Verdauungsstörungen.

Symptome

Die Symptome sind Abhängig von der Art des Gen-Defekts (Mutation). Zentrum der Beschwerden sind in der Regel die oberen Atemwege, die Lunge und das Verdauungssystem. Die häufigsten Symptome sind:

  • Chronischer Husten mit schleimigen Auswurf
  • Verdauungsstörungen
  • Untergewicht

Im weiteren Verlauf der Erkrankung breiten sich die Symptome aus und es kommt zu Komplikationen. Betroffen sind dann:

  • Bauchspeicheldrüse (Diabetes mellitus)
  • Leber
  • Gallenblase/Gallengänge (Gallensteine)
  • Nieren
  • Knochen (Osteoporose)
  • Geschlechtsorgane (bis zu 98 Prozent der betroffenen Männer ist unfruchtbar)

Die Spermien-Produktion bleibt ebenso erhalten wie die Potenz. Eine Vaterschaft durch künstliche Befruchtung ist also ebenso möglich wie ein normales Sexualleben.

Diagnose

Im Rahmen eines Neugeborenen-Screenings werden der Schweiß und das Blut des Säuglings untersucht. Ist im Blut das Enzym Trypsin erhöht, weist dies auf Mukoviszidose hin. Fällt dieser Test zweimal positiv aus, folgt der Schweißtest. Enthält der vom Unterarm des Kindes gesammelte Schweiß zu viel Natrium und Chlorid (Salze), erhärtet das den Verdacht.

Wurde kein Neugeborenen-Screening durchgeführt und der Verdacht auf Mukoviszidose kommt erst später (bei Ihnen oder Ihrem Kind), gehen sie zum Hausarzt oder Internist. Dieser wird sich zunächst verstärkt auf Ihre Krankengeschichte und evtl. Erkrankungen in der Familie konzentrieren. Die weitere Diagnostik ist wie folgt:

  • Abhören der Lunge und Abtasten der inneren Organe
  • Röntgenuntersuchungen (zeigen Blockaden der Luftwege und Verdauungsorgane)
  • Schweißtest (auch bei Erwachsenen)
  • Blutuntersuchung (weisen auf Funktionseinschränkungen der Organe hin)

Gibt es innerhalb der Familie einen Mukoviszidose-Fall, sollten sich alle weiteren Familienmitglieder ebenfalls untersuchen lassen. Die Erkrankung kann auch in abgeschwächter Form auftreten und sich erst später bemerkbar machen. Trotzdem gilt es auch hier, mit einer rechtzeitigen Behandlung anzufangen.

Behandlung & Therapie

Weil sich die Ursache, der Gendefekt, nicht beheben lässt, ist die Mukoviszidose unheilbar. Durch eine Reihe von Maßnahmen – Medikamente, Physiotherapie und Ernährungsberatung – lassen sich viele Beschwerden lindern und das Risiko von Komplikationen verringern. Wichtig ist ein früher Beginn der Behandlung, bevor Organschäden auftreten. Dies lässt sich so hinauszögern. Zentrales Behandlungsziel ist die Entfernung des zähen Schleims aus den Organen. Mögliche Methoden zur Behandlung der Atemwege bei Mukoviszidose sind:

  • Atemtherapie/-gymnastik
  • Inhalation von Schleimlösern
  • Klopfmassagen (Schleim lockern)
  • Bronchienerweiternde Medikamente
  • Sauerstoffgabe bei Atemnot
  • Antibiotika bei bakteriellen Infekten
  • Bei schwerer Lungenschädigung: Organtransplantation

Häufig ist bei Mukoviszidose die Funktion der Bauchspeicheldrüse vermindert. Es fehlen Enzyme um lebenswichtige fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) aus der Nahrung herauszulösen. Der Mangel kann durch Vitaminpräparate ausgeglichen werden. Das Gleiche gilt für das Salzdefizit, da hier durch den Schweiß viel Salz verloren geht.

Seit Kurzem steht Patienten ein Medikament zur Verfügung, dass direkt am beschädigten Chlorid-Kanal wirkt und somit die Entgleisung des Salz- und Wasserhaushalts korrigieren kann. Das Präparat wirkt aber nur bei manchen Patienten mit einem ganz bestimmten Gendefekt.

Vorbeugung & Prognose

Vorbeugung

Weil es sich bei der Mukoviszidose um eine Erbkrankheit handelt, ist keine Vorbeugung möglich. Für einen günstigen Verlauf ist die frühe Erkennung und Einleitung einer Behandlung wichtig. Dann lassen sich viele Beschwerden mildern und Komplikationen (wie Infektionen) vermeiden. Zwar verläuft die Mukoviszidose weiterhin tödlich, die Lebenserwartung ist aber deutlich gestiegen. Nicht selten erreichen die Betroffenen das 40. Lebensjahr. Experten schätzen, dass Kinder, die heute mit Mukoviszidose geboren werden, wesentlich älter werden können.

Prognose

Die Krankheit ist unheilbar und führt zu einer verminderten Lebenserwartung und –qualität. Ohne Therapie versterben die Patienten meistens innerhalb weniger Jahre. Eine rechtzeitige und zielgerichtete Behandlung verlangsamt das Voranschreiten der Mukoviszidose erheblich. Viele Patienten werden 40 Jahre oder sogar über 50. Aber auch bei optimaler Therapie kann es immer wieder zu Komplikationen kommen, am häufigsten ist es akute Atemnot durch eine schlecht belüftete und mitunter sogar zusammengefallene Lunge (Atelektase). Es entwickeln sich nicht selten Begleiterkrankungen wie:

  • Chronische Bronchitis
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Pilzbefall der Lunge
  • Kreislaufversagen (durch Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt)

Weitere Komplikationen und Folgeerkrankungen können sein:

  • Chronische Lebererkrankung, insbesondere Leberzirrhose
  • Gallenblasenentzündungen und Gallensteine
  • Diabetes mellitus
  • Chronische Bauchspeicheldrüsen-Entzündung
  • Störungen der Herzfunktion
  • Darmverschluss (Ileus)
  • Darmeinstülpung (Invagination)
  • Mangelernährung
  • Eingeschränkte Fruchtbarkeit von Frauen, bzw. Unfruchtbarkeit von männlichen Patienten

Wenn Sie ein familiär erhöhtes Risiko in sich tragen und einen Kinderwunsch hegen, sollten Sie sicherheitshalber eine genetische Beratung in Anspruch nehmen. Hier wird mittels Gentest herausgefunden, ob eine Änderung im CFTR-Gen vorliegt. Das Risiko für den Nachwuchs lässt sich anhand der Ergebnisse berechnen.

Mittlerweile ist auch in Deutschland bei einer Mukoviszidose die Präimplantationsdiagnostik (PID) möglich. Hierzu bedarf es aber immer eine Zustimmung der Ethikkommission. Die Eizellen werden außerhalb des Mutterleibs befruchtet und nur Embryonen ohne die problematischen Gene eingesetzt.