Schlaganfall

Beschreibung

Unter einem Schlaganfall ist eine plötzliche Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff zu verstehen. Synonyme für die Erkrankung sind:

  • Hirnschlag
  • Hirninfarkt
  • Apoplex
  • Insult
  • Apoplektischer Insult

Schlaganfall und Insult bzw. Hirninsult sind aus medizinischer Sicht die korrekten Namen. Veraltet hingegen sind die Begriffe Apoplex und Hirnschlag. Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwei unterschiedliche Entstehungsmechanismen eines Schlaganfalls:

  • Hirngefäßverschluss (Ischämie)
  • Hirnblutung (Hämorrhagie)

Bei einem ischämischen Schlaganfall ist die Gehirndurchblutung unterbrochen. Demgegenüber steht eine akute Hirnblutung. In diesem Fall sprechen Fachleute von einem hämorrhagischen Schlaganfall. In beiden Fällen kommt es zur Schädigung und zum Untergang von Nervenzellen im betroffenen Gebiet.

Meistens erkranken ältere Menschen an einem Schlaganfall. Etwa 50 Prozent ist über 70 Jahre alt. Schlaganfälle gelten als eine der Hauptursachen für Pflegebedürftigkeit und Behinderung im höheren Lebensalter. Es handelt sich um eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Zusammen mit Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen verursacht der Schlaganfall hierzulande die meisten Todesfälle.

Ursachen

Drei Ursachen können einen Schlaganfall auslösen:

  • Verschluss einer Arterie im Gehirn durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder ein Blutgerinnsel (Thrombus)
  • Hirngefäß-Verschluss durch eine Embolie
  • Hirnblutung (rund 20 Prozent der Fälle)

Die Arteriosklerose ist die häufigste Ursache für einen Schlaganfall und generell den Verschluss von Blutgefäßen. Im Laufe der Zeit verengen sogenannte Plaques – Ablagerungen aus Fett und Zellen – die Blutbahnen. Je dicker die Plaques, desto enger ist das Blutgefäß. Besonders häufig an Arteriosklerose leiden folgende Personengruppen:

  • Bluthochdruck-Patienten (Hypertoniker)
  • Diabetiker
  • Menschen mit hohem Cholesterinwerten
  • Raucher

Wenn die Arterien stark verengt sind, gelangt weniger Blut und damit weniger Sauerstoff in das Versorgungsgebiet. Außerdem können die Plaques einreißen und als Blutgerinnsel ein Gefäß vollständig verstopfen. Dann ist die Sauerstoffversorgung des Hirngewebes vollständig unterbrochen und es entsteht ein ischämischer Schlaganfall.

Bei einer Embolie entsteht die Verstopfung der Ader durch ein Blutgerinnsel. Bekannt ist z.B. eine Lungenembolie. Große Blutgerinnsel entstehen häufig an den Wänden jener Blutgefäße, in denen das Blut langsam fließt. Wenn die Herzvorhöfe sich unregelmäßig bewegen (sog. Vorhofflimmern), können auch im Inneren des Herzens Gerinnsel entstehen und einen Herzinfarkt auslösen.

Hirnblutungen sind der Auslöser für hämorrhagische Schlaganfälle. Sie entstehen durch Risse in den Hirngefäßen. Gefährlich wird es, wenn bereits durch Arteriosklerose geschädigte Blutgefäße einem plötzlichen Blutdruckanstieg ausgesetzt sind. Auch eine krankhafte Aussackung von Blutgefäßen (Aneurysma) kann platzen und Hirnblutungen verursachen. Fallen diese sehr stark aus, spricht der Mediziner von einer Hirnmassenblutung. Dieser Zustand ist akut lebensbedrohlich.

Symptome

Die Symptome eines Schlaganfalls entstehen durch die Minderversorgung des entsprechenden Hirnareals mit Sauerstoff. Dadurch sterben wichtige Nervenzellen, die normalerweise Funktionen wie Bewegung (Motorik), Sprechen, Sehen oder Bewusstsein steuern. Tritt hier ein Schlaganfall auf, kann das schwere Konsequenzen haben. Mediziner sprechen von neurologischen Ausfällen. Folgende Anzeichen sprechen für einen Schlaganfall:

  • Plötzliche Muskelschwäche oder Lähmung einer Gesichts- bzw. Körperhälfte (Hemiplegie)
  • Sprachstörungen (verwaschene Sprache, Wortfindungsstörungen)
  • Taubheit (Gefühlsschwäche) auf einer Körperhälfte
  • Sehstörungen (Sehverschlechterung, Doppelbilder)
  • Schluckstörungen
  • Schwindel
  • Plötzliche Depressivität
  • Verwirrtheit
  • Plötzliche heftige Kopfschmerzen (vor allem bei Blutungen)
  • Bewusstlosigkeit/Benommenheit

Die genannten Beschwerden treten nicht bei jedem Patienten in gleicher Stärke und Kombination auf. Welche Symptome auftreten hängt von der Region im Gehirn ab, die vom Schlaganfall betroffen ist. Beispielsweise verursachen Vorfälle in der rechten Hirnhälfte eine Lähmung der linken Körperhälfte. Wie stark die Ausfallserscheinungen sind, hängt von der Menge an Hirngewebe ab, die durch den Sauerstoffmangel geschädigt wurde.

Diagnose

Eine rasche Diagnose ist bei einem Schlaganfall sehr wichtig, um die Schädigungen möglichst gering zu halten. Rufen sie sofort den Krankenwagen, wenn sie bei sich oder anderen entsprechende Anzeichen feststellen. Am Beginn der Diagnostik steht eine ausführliche Untersuchung des Patienten. Der Arzt fragt sie nach Beschwerden und möglichen Vorerkrankungen (z.B. Bluthochdruck). Durch spezielle Untersuchungstechniken (z.B. einen Satz nachsprechen lassen) stellt der Arzt neurologische Symptome wie Sprachstörungen fest. Damit kann er einen Schlaganfall meist schnell erkennen

Den letzten Beweis für einen Schlaganfall liefern bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT). Nicht nur der Schlaganfall selber lässt sich so nachweisen, auch die Größe der Schädigung kann sichtbar gemacht werden. Eine spezielle Ultraschall-Untersuchung (Doppler-Sonographie) zeigt mögliche Verengungen der Blutgefäße von Gehirn und Hals.

Behandlung & Therapie

Jeder Schlaganfall muss unverzüglich behandelt werden! Die Therapie erfolgt in speziellen Schlaganfall-Einheiten (Stroke-Units) mancher Kliniken. Ein akuter Schlaganfall liegt vor, wenn eine bestimmte Hirnregion keine ausreichende Sauerstoffversorgung mehr erhält und Schaden nimmt. Ziel der Behandlung ist es, die Schädigung möglichst gering zu halten und bleibende Folgen zu vermeiden. Je nach Ursache unterscheidet sich die Therapie. Daher ist eine rasche Diagnostik sehr wichtig.

Bei einem durch einen Gefäßverschluss verursachen Schlaganfall besteht die Therapie aus:

  • Thrombolyse: Durch bestimmte Medikamente wird das Blutgerinnsel aufgelöst. Hierfür muss mittels CT sicher ausgeschlossen werden, dass eine Hirnblutung vorliegt.
  • Antikoagulation (Gerinnungshemmung): Arzneimittel verhindern die erneute oder weitere Verstopfung des Gefäßes durch Blutgerinnsel.

Bei einer Hirnblutung kann ein neurochirurgischer Eingriff notwendig sein. Die Ziele einer OP sind der Blutungsstopp, die Entfernung des Blutergusses und eine Entlastung des Hirngewebes.

Bei allen Schlaganfällen überwachen Ärzte die lebenswichtigen Funktionen des Patienten. Hierzu gehören Blutdruck, Atmung, Herzfrequenz und Urinausscheidung. Manchmal muss der Arzt mit Medikamenten den Hirndruck senken. Zur langfristigen Therapie gehört eine Rehabilitation. Dabei soll der Patient verloren gegangene Fähigkeiten wie Sprechen oder Laufen zurückerlangen. Wie bei anderen Bewegungsstörungen, die vom Gehirn ausgehen, profitieren Patienten auch beim Schlaganfall vom sogenannten Bobath-Konzept. Dies beruht auf der Annahme, dass gesunde Hirnregionen die Aufgaben der geschädigten Areale übernehmen können.

Sobald die körperliche Verfassung des Patienten es zulässt, sollte die Rehabilitation (Reha) beginnen. Diese sich der Akuttherapie anschließende Behandlung entscheidet über das weitere Leben des Betroffenen. Wichtig ist ein nahtloser Übergang von Krankenhaus zur neurologischen Reha-Klinik. Dann ist oft eine deutliche Besserung oder sogar komplette Rückbildung der Schäden möglich. Das gilt besonders für jüngere Schlaganfall-Patienten.

Vorbeugung & Prognose

Vorbeugung

Sie können einem Schlaganfall auf vielfacher Art und Weise vorbeugen. Im Zentrum aller Maßnahmen steht die Vermeidung einer Arterienverkalkung. Nicht alle Risikofaktoren können sie aktiv beeinflussen, aber eine ganze Reihe lässt sich aktiv reduzieren. Folgende Maßnahmen können das Schlaganfall-Risiko deutlich senken:

  • Viel Bewegung und Sport
  • Gesunde Ernährung
  • Abbau von Übergewicht
  • Rauchverzicht
  • Alkohol in Maßen genießen
  • Stress vermeiden

Folgende Grunderkrankungen erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall:

  • Bluthochdruck
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Diabetes mellitus
  • Vorhofflimmern
  • Fettleibigkeit (Adipositas)

Lassen sie diese Krankheiten behandeln und beherzigen sie die Ratschläge Ihres Arztes. So können sie Ihre Blutwerte ebenso verbessern wie Ihren Blutdruck. Letztendlich sinkt Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko deutlich.

Prognose

Es gilt: Je größer das verstopfte oder gerissene Blutgefäß desto schwerwiegender sind die Hirnschäden. Je nach Gehirn-Region können aber auch kleinste Schädigungen gravierende Folgen haben. Etwa 20 Prozent aller Schlaganfall-Patienten sterben innerhalb der ersten vier Wochen. Im Laufe des ersten Jahres nach dem Schlaganfall versterben rund 37 Prozent. Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs handelt es sich um die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

Rund die Hälfte der Schlaganfall-Patienten, die nach einem Jahr noch leben haben dauerhafte Schäden. Sie sind lebenslang auf fremde Hilfe angewiesen. Das sind in Deutschland knapp eine Million Menschen. Schlaganfälle bei Kindern sind selten, haben aber eine gute Prognose. Die Behandlung zeigt bei ihnen meist gute Erfolge. Nur zehn Prozent der jungen Betroffenen behalten Schäden zurück.